Zuhause auf der Yogamatte

Kathi unterrichtet Yoga, ist Vikarin der rheinischen Landeskirche und dieses Jahr Mama von Zwillingen geworden.


Ich kenne sie von ihrem Youtube-Kanal yoga himmelwaerts, auf dem sie ihren christlichen Glauben und Yoga vereint. Vor einigen Wochen schrieb sie etwas auf ihrem Instagram-Account, was mich nicht losließ: „Ich bin verschwitzt, zentriert und fokussiert, auf der Matte. Ein Ort, den ich Heimat nenne (…).“

Die Yogamatte als Heimat? Kann ein Gegenstand Heimat sein? Und wenn ja, bedeutet es, dass Kathi mit ihrer Matte unter dem Arm überall zuhause sein kann? Ein Telefonat später bin ich um einige AHA-Momente reicher und habe eine wunderbare Frau mit einer spannenden Perspektive auf das Thema Zuhause kennengelernt. Ließ selbst!

Die Körpersprache kennen

Seit über 12 Jahren praktiziert Kathi Yoga – deutlicher länger, als ich es kenne und die Katze-Kuh-Pose übe. Mittlerweile darf sie sich zertifizierte Yogalehrerin (auch für Pränatalyoga👌) nennen. Was sie seit so langer Zeit immer wieder dazu motiviert, die Matte auszurollen? Der Wunsch, sich selbst wahrzunehmen und bei sich selbst anzukommen.
Die Yogamatte ist der Ort, an dem sie das am besten tun kann. Hier schenkt sie sich volle Aufmerksamkeit, hört auf die Sprache ihres Körpers und kann darauf reagieren.

Hier wird sie sich darüber klar, wie es ihr geht und was sie erlebt hat. Und hier fühlt sie sich auch beheimatet. Denn Heimat bedeutet für Kathi, bei sich selbst sein zu können.

Es ist nicht das Material, die Beschaffenheit oder Farbe der Yogamatte, was Heimatgefühle auslöst, sondern das, was auf der Matte passiert

Wenn sich der Körper nach Baustelle anfühlt

Nicht immer fällt es Kathi leicht, Zeit auf der Yogamatte zu verbringen. Manchmal würde sie lieber einen weiten Bogen um sie machen. „Die Matte ist wie ein Spiegel“, erklärt sie. „Sie konfrontiert mich mit meinen Schwächen und Grenzen.“ Seit der Zwillingsschwangerschaft fällt ihr das besonders schwer. „Körperlich ist nichts mehr wie vorher. Gerade fühlt es sich eher so an, als würde ich eine Baustelle betreten“, gibt sie zu.
Wenn die junge Mama ihren momentanen Yogastil beschreiben müsste, würde sie das Wort verletzlich wählen. Früher hingegen empfand sie ihre Übungen kraftvoll und dynamisch. Während sie mir das erzählt, habe ich zu keiner Sekunde das Gefühl, sie sei verbittert darüber, sondern viel mehr in einem Prozess der Annahme über diese Veränderung.

Nicht vor sich selbst weglaufen

In den vergangenen Jahren hat Kathi in Berlin, München, Bochum und Solingen sowie den Staaten gelebt. Sie liebt diese Art von Dynamik, Lebendigkeit und feiert das Leben, wenn es sich bunt anfühlt. Immer wieder hat sie Dinge zurückgelassen, um neue Erfahrungen machen zu können. Nur ihre Yogamatte, die musste immer mit! Durch sie erfährt sie Halt und Stabilität im doppelten Sinne: Während der Yoga-Praxis, aber auch in neuer Umgebung. 

Irgendwie praktisch: Kathi kann mit ihrer Matte von Ort zu Ort ziehen und sich auf diese Weise überall zuhause fühlen.
Doch es gibt auch eine Kehrseite davon, nicht sesshaft zu sein.

In manchen Momenten fragt sie sich zum Beispiel, ob es eine gute Idee war, mit ihren Babys an einem neuen Wohnort den Alltag zu managen – ohne Oma und Opa in der Nähe oder alten Freunden, die sie unterstützen könnten.
Seitdem Kathi Mama ist, nimmt sie häufig einen Kloß im Hals wahr. Sie fühlt sich einsam und macht daraus kein Geheimnis, sondern spricht offen und ehrlich darüber. Das ist eine Fähigkeit, die sie in den vergangenen Wochen gelernt hat und die ihr sicherlich auch bei zukünftigen Ortswechseln den Rücken stärken wird. 

Was ihr noch hilft mit der Einsamkeit umzugehen? Glasklar: Yoga! Denn das ist wohl das beste Mittel, um Gefühlen Raum zu geben und eine wichtige Technik nicht vor sich selbst wegzulaufen. Denn wo immer Kathi mit ihrer Familie hinziehen wird, nicht nur die Yogamatte, sondern vor allem sich selbst, wird sie immer mitnehmen.

🧘🏼‍♀️ Der Instagrampost ging übrigens noch weiter: „Ich bin verschwitzt, zentriert und fokussiert, auf der Matte. Ein Ort, den ich Heimat nenne. Und den ich über die letzten Jahre zu meiner Art von Gemeinde & Glaubensleben habe werden lassen.“
Wenn Dich interessiert, inwiefern Kathi den christlichen Glauben und Yoga zusammenbringt, schau unbedingt mal auf ihrer Webseite Yogahimmelwaerts vorbei.

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