Der Kampf gegen das Vergleichen

Viel zu oft werfe ich den vergleichenden Blick zu Menschen, die mir ähnlich sind. Dabei möchte ich nichts lieber, als mir und meinem Stil treu zu bleiben.


Bleib bei Dir, Annabel, spreche ich mir selbst zu, während ich neidisch das Paar mustere, die neben uns ihren Van geparkt haben. Bleib bei Dir, wiederhole ich innerlich. Zu spät, ich beginne bereits, mich zu vergleichen. Fast schon automatisch überlege ich, wer von uns den besseren Bus hat. Mein Blick bleibt schließlich auch an der wunderschönen weißen, falten- und fleckenfreien Kleidung der Frau hängen. Unauffällig schaue ich an mir herab: fettige Haare und ein gestreiftes T-Shirt mit getrockneter Babyspucke drauf. Klasse! 

Wer ist die Beste im ganzen Land? 

 Dieser winzig kleine Vergleichsmoment reicht schon aus, um mich für den Rest des Tages in Unzufriedenheit zu stürzen. Schließlich suche ich in meiner Kleidungsbox nach etwas Schönem zum Anziehen, in der Hoffnung, ich würde mich dann wieder besser fühlen. Jedoch entdecke ich darin nur Shirts, die allesamt aus der Basic-Abteilung stammen. Nichts Ausgefallenes und vor allem nichts Gebügeltes. Bis gerade eben war ich noch zufrieden mit meiner Kleiderauswahl, da ich nur das eingepackt hatte, worin ich mich zu hundert Prozent wohl fühle. Aber jetzt habe ich etwas vermeintlich Besseres gesehen und möchte mich an die guten Gründe meiner Garderobe nicht mehr erinnern.

Wissen, wer ich bin 

Das alles ist Quatsch mit Soße, ich weiß! Trotzdem holen mich in schwachen Momenten immer wieder solche Vergleichsgedanken ein. Manchmal nur klein und unscheinbar, manchmal verbunden mit großen sowie schwierigen Emotionen. Nicht selten schenke ich der Lebenslüge glauben, dass ich besser bin, wenn ich wie jemand anders bin. Kennst Du das? Das fatale: Es wird immer Menschen geben, die schlauer, interessanter, mutiger oder eben besser gekleidet sind als ich. Die Frage ist also eher, wie ich damit umgehe. Und mal wieder (wie so oft im Leben) ist meine Lösung dafür, mich selbst gut genug zu kennen.

Ich muss wissen, was ich kann, was ich brauche und wofür ich mich entschieden habe … und das fängt, so oberflächlich es auch klingen mag, schon beim Inhalt des Kleiderschrankes an.

Den eigenen Stil finden

Ganz praktisch habe ich deshalb vor Kurzem meine Kleiderstange unter die Lupe genommen: In welchen Teilen fühle ich mich wohl und was davon besitze ich nur, weil es mal angesagt war oder bei anderen fantastisch aussah? Ziemlich viele Stücke habe ich auf diese Weise als Fehlkauf entlarvt. Gerade bin ich dabei ihnen ein neues, hoffentlich aktiveres, Leben zu schenken (hierfür sind Kleidertauschpartys, vinted oder eine Kleiderspende bei der Stadtmission eine gute Idee). 

Übrig blieb eine Kleiderstange, die mich widerspiegelt: Gestreifte Shirts; einfarbige Cardigans, Blusen, die ebenfalls Streifen haben; ein paar Jeans… Bequem, wenig ausgefallen und gerade deshalb: genau mein Stil! Ehrlich gesagt wusste ich bis dato nicht mal, dass ich den habe.

Die Streifen feiern

Die Erkenntnis darüber, was ich mag und was nicht, bringt hoffentlich in Zukunft etwas mehr Entspannung in das Thema. Denn ich wünsche mir, dass mich der Blick nach rechts und links nicht mehr dazu bringt, mich verändern zu wollen. Sondern ich stattdessen mit einem zufriedenen Blick auf mich schauen kann.

Wie gehst Du mit der Vergleicherei um? Hast Du Tipps, um Dich davor zu schützen? Dann her damit! Ich hab noch so viel zu lernen.

👗PS. Als ich mit der Camper-Nachbarin später ins Gespräch kam, meinte sie zu mir: „Ihr seid also „Team Streifen“? Wie Cool!“ Und deutete dabei auf mein Shirt und den ebenfalls gestreiften Pulli von Baby P. Manchmal ist das, was Dich gerade an Dir stört, faszinierend für jemand anderen! 

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