Selbstfürsorge lernen: Ich fang dann mal bei mir an

Während das Wasser auf dem Gasherd kocht, fülle ich einen gut gehäuften Löffel Kaffeepulver in die French Press und eskaliere dabei vor Freude: Der erste Kaffee am Tag ist mir heilig. Und ich liebe den Morgen. Zu keiner anderen Tageszeit bin ich so aufmerksam und aufnahmefähig


Als ich den Kaffee fertig zubereitet habe, schiebe ich die Seitentür von unserem Kastenwagen Knut auf und laufe die wenigen Schritte zum Seeufer. Wie so oft in Schweden versteckt sich die Sonne noch hinter den Wolken, sodass meine nackten Füße schnell frisch werden. Trotzdem sitze ich eine Weile so dort, beobachte die Wellen und sortiere meine Gedanken. Als ich kurz darauf mit der leeren Tasse in der Hand zurück in den Campervan schlüpfe, grinst mich mein Mann an und meint: „Du bist immer so verändert, wenn Du Dir Zeit für Dich nimmst.“ 

Morgenstund hat Gold im Mund

Wo er recht hat, hat er recht: Ein achtsamer Start in den Tag beeinflusst mich positiv. Meine Stimmung ist meistens besser, wenn ich mir nach dem Aufstehen zuerst eine Ladung Selbstfürsorge gönne. In manchen Phasen tut mir ein morgendlicher Spaziergang oder eine Runde auf der Yogamatte gut. In anderen Situationen ist mir nach Gebet oder Tagebuch schreiben. Manchmal weiß ich auch nicht, was mir guttun würde. Aber wenn ich es gefunden habe und umsetze, bin ich in der Regel danach motivierter, kraftvoller und sortierter

Balance zwischen Aktion und Rückzug

Vor einigen Jahren habe ich an einem Persönlichkeitstest, dem Birkman-Test, teilgenommen. Ein Ergebnis davon war, dass mein Alltag am besten funktioniert, wenn ich 50 Prozent Aktion und 50 Prozent Reflexion integriere – also ein Gleichgewicht zwischen gemeinsam und einsam herstelle. Wow, das sind wirklich viele Stunden, die ich für mich allein brauche! 

Für umsetzbar halte ich diese 50/50-Aufteilung momentan nicht. Aber diese Einschätzung gibt mir eine wichtige Orientierung. Denn wenn ich mich unausgeglichen fühle, weiß ich, dass ich mich zu weit von den 50 Prozent, die für mich allein bestimmt sind, entfernt habe. 
Weißt Du, wie viel Zeit Du für Dich allein brauchst? Welche Mischung aus Gemeinschaft und Alleinsein tut Dir gut?

Verantwortung für sich übernehmen

Die Ruhe im schwedischen Lappland auf unserer Elternzeitreise hat mir geholfen, mein Bedürfnis nach Zeiten mit mir wahrzunehmen. Zurück in Deutschland fehlt mir genau das am meisten.

Ich vermisse den Kaffee allein am Morgen ohne Baby.
Mir fehlt der See vor der Haustür.
Und die Natur.
Und die Muse zur Reflexion.
Und die Stille.

Irgendwie ist es wieder ziemlich laut geworden in meinem Leben. Doch ich möchte das Gelernte nicht verlieren. Deshalb habe ich mir ein paar Punkte notiert, die mir in den nächsten Monaten helfen sollen, für mich selbst zu sorgen. Die Zusammenfassung davon bekommst Du hier in den folgenden drei Tipps.

3 Tipps für mehr Selbstfürsorge im Alltag

1. Hindernisse herausfinden: 

So sehr ich den Morgen allein liebe, so umkämpft ist er auch. Keine andere Zeit am Tag verliert so schnell an Priorität wie diese. Aufgaben, Termine und Deadlines scheinen mir oft wichtiger als ich selbst. Manchmal stehe ich mir auch mit meiner Angepasstheit und meinem Harmoniestreben selbst im Weg.

Was hindert Dich daran, Dich um Dich selbst zu kümmern?

2. Rituale schaffen

Meine frühen Kaffee-Dates in Schweden haben mich daran erinnert, wie wichtig es ist, das Thema Selbstfürsorge konkret zu machen und einen festen Rahmen dafür zu schaffen. Rituale müssen jedoch immer wieder überdacht und an die Lebensumstände angepasst werden.

Welches tägliche oder wöchentliche Ritual könnte Dir helfen, Dich selbst wichtig zu nehmen?

3. Selbstfürsorge-Entscheidungen treffen: 

Für mich ist das Reisen im Campervan ein optimales Lernfeld, um meine Bedürfnisse situativ wahrzunehmen. Unterwegs ist man quasi gezwungen, herauszufinden, was man möchte. Möchte man Richtung Norden oder Westen fahren? Will man überhaupt weiterfahren oder bleiben? Ich will auch außerhalb des Camperlebens lernen, in Situationen bewusster Entscheidungen zu treffen, die mir guttun.

In welchen Momenten tust Du das, was gerade „passt“ oder am „einfachsten“ ist, aber nicht das, was Du eigentlich brauchst?

Eine weise Person hat mir mal gesagt, ich soll es mir zur Lebensaufgabe machen, eine gute Stimmung zu haben. Davon profitier nämlich nicht nur ich, sondern auch meine Familie und ja, irgendwie auch mein ganzes Umfeld. Mit diesem Vorschlag verabschiede ich mich für heute und freu mich auf die nächste Weisheit, die ich mit Dir teilen darf. 

👉 Übrigens: Von den ehrlichsten Selbstfürsorge-Entscheidungen gibt es keine hübschen Fotos. Denn manchmal ist es das Beste, mit einem unästhetischen Plastikbecher in einer Fast-Food-Kette unterhalb der Klimaanlage zu sitzen. Das ist nicht schön. Tut aber gut.

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