Von Katastrophen im Vanlife und Stoßgebeten

Ich bete regelmäßig. Vor allem dann, wenn gar nichts mehr geht, wenn ich Angst habe, etwas unheimlich ist, ich mir Sorgen mache oder eben Hilfe brauche. Ich bete, obwohl ich zweifle. Wie das zusammenpasst, erzähl ich Dir hier.


Das hatte ich mir anders vorgestellt: Unsere Elternzeitreise 2.0 durch Osteuropa 🚌 begann mit vielen kleinen und großen Katastrophen. Auf der Fähre nach Griechenland wurde ich seekrank, kurz darauf verloren wir einen geliebten Sneaker, dann ging uns der Strom in Knut dem Van defekt, gleichzeitig verstopfte der Abwasserschlauch und zur Krönung wurden wir alle drei so richtig ordentlich krank

Long Story Short: Weil unsere Sanitäranlagen im Knut an ihre Kapazitätsgrenzen kamen, buchten wir nach nur wenigen Nächten im Campervan ein Hotelzimmer. Doch trotz Onlinebuchung war das Hotel bei unserer Ankunft bereits voll belegt– manchmal bekommt man echt jede Pechsträhne ab. Als wir schließlich mit hohem Fieber in einem kleinen Apartment irgendwo in Griechenland lagen, fühlte ich mich hilflos überfordert und erschöpft. Sehr erschöpft.

Verzweifelte Stoßgebete

Ich wünschte mir nichts mehr, als mich bald wieder besser zu fühlen, um mich um unseren kleinen Sohn kümmern zu können, dem es sehr schlecht ging. Und ich wünschte mir Hilfe, jemand der uns kurz unter die Arme greifen könnte. Doch wir waren viel zu weit weg von der Heimat. Also schrieb ich meiner Familie und meinen beiden besten Freundinnen und bat sie um Gebet.
Eine andere Hilfe war aus der Ferne nicht möglich und für mich ist es super motivierend zu wissen, dass andere Menschen an mich denken und für meine Situation beten.

Doch anstatt einer Besserung zu erleben, wurde unsere Situation von Tag zu Tag schlimmer. Das war frustrierend.

Es fühlte sich so an, als würden all die Gebete an der Zimmerdecke hängen bleiben. Als würden sie dort festkleben oder sich im Kabel vom Lampenschirm verheddern. Es wirkte nicht so, als würden die Worte zu Gott durchdringen. Als würde er irgendwie darauf reagieren, es hören oder gar erhören.

Den Kinderglauben verloren

Hast Du schon mal gebetet oder glaubst Du, dass es einen Gott gibt, der Gebet hört?
Ich bin mit dem Glauben an die Kraft von Gebet groß geworden und finde das etwas sehr Schönes. Für mich ist nicht komisch, wenn jemand mit Gott spricht, auch außerhalb der Kirche oder unabhängig vom Tischgebet.

Als Kind glaubte ich ohne Kompromisse daran, dass Gott alle meine Worte hört. 

Mein Glaube brauchte keinen Beweis, keine direkte Gebetserhörung, kein Zeichen oder Wunder, das vom Himmel fällt. 

Leider habe ich diesen kindlichen Glauben verloren. Ich traue mich nicht mehr, wie damals als kleines Mädchen, jeden Wunsch mit Gott zu besprechen. Ich möchte mich vor Enttäuschung schützen, will das Gefühl umgehen, dass mein Gebet an der Zimmerdecke festklebt und verstumme deshalb viel zu oft.

Zweifel und Ängste

An Tagen wie diesen während unserer Elternzeitreise 2.0 wünschte ich mir meinen bedingungslosen Glauben aus meiner Kindheit zurück. Der Glaube, der nicht ständig hinterfragt, analysiert und alles zerdenkt. Der, der keine Kosten-Nutzen-Bilanz zieht. Der Glaube, der damit klarkommt, wenn die Antwort auf mein Gebet anders aussieht, als ich es mir vorgestellt habe. Der, der an die Wirkung des Gebets glaubt, ohne Bedingungen. Ach ja, diesen Glauben vermisse ich.

Und trotzdem bete ich weiter. Trotz meiner Zweifel und Ängste, die sich im Laufe des Erwachsenwerdens in meinen Glauben geschlichen haben, tausche ich regelmäßig Worte mit Gott aus.

Denn ich glaube, dass die Kraft des Gebets durch meine Zweifel nicht an Wirkung verliert. Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der da lässig und souverän drübersteht.

Und was glaubst Du?

🫒PS. Uns geht es endlich wieder besser, wir sind zurück in Knut gezogen und genießen Feta und Oliven in vollen Zügen, hihi.


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