Elternzeitreise 2.0 durch den Balkan mit Kleinkind und Babybauch

Knapp fünf Wochen waren wir als kleine Familie mit unserem selbstausgebauten Van Knut in Südosteuropa unterwegs. Mit dabei war Klein P mit vierzehn Monaten und ein vierzehn Wochen altes Baby im Bauch (aka das Cevapcici). Immer wieder werde ich gefragt, ob sich die vielen Kilometer, das Geld und die Zeit gelohnt haben. Für die Antwort muss ich etwas weiter ausholen…


Los ging der Trip bereits im April, als wir mit der Fähre von Venedig nach Griechenland übersetzten. Im Oliven-Paradies angekommen, verbrachten wir die meiste Zeit auf der Insel Lefkada und waren sofort schockverliebt. Dieser Fleck Erde ist (während der Nebensaison) echt ein Vanlife-Traum: Karibikstrände, frische Früchte, einsame Stellplätze, atemberaubende Aussichten und überall gemütliche Tavernen mit köstlichem Essen. Absolute Herzensempfehlung!
Danach ging unser Roadtrip weiter durch Albanien, Montenegro und Kroatien. Oh Freunde, diese Strecke hat es echt in sich. Ich hatte total unterschätzt, wie unterschiedlich diese Länder sind und wie viel sich dadurch für unser Familienleben im Van alle paar hundert Kilometer änderte. 

Wenn Dich die Route interessiert, Du mehr über die kulturellen und kulinarischen Highlights wissen möchtest, lass uns gern mal auf eine Brezel treffen und ich erzähl Dir alles.
Denn in diesem Artikel soll es weniger um die Flora und Fauna auf dem Balkan gehen, sondern ich möchte Dich mit in meine Erkenntnisse über dieser Reise nehmen, die sich tief in mein Herz gebohrt haben.

Zweifel und Unsicherheit vor der Abfahrt

Nachdem wir letztes Jahr um dieselbe Zeit zwei Monate in Schweden und Norwegen mit Knut🚌 und Baby P verbracht haben, war uns schnell klar: Wir wollen mehr davon! 

Doch Wiederholungen kosten mich Mut. Es fällt mir leichter, etwas Neues zu unternehmen, als auf Bewährtes zurückzugreifen. Zu groß ist meine Angst, dass es nicht wieder so gut werden könnte. 

Die Messlatte war außerdem enorm hoch: Unsere erste Elternzeitreise durch Skandinavien war die Perfektion der besten Art und Weise. Eine solche Gefühlseskalation würde es beim zweiten Mal nicht geben, das war klar. Ich wusste aber auch, dass es dämlich wäre, der Angst nachzugeben und daheim zu bleiben. 

Gleichzeitig hatten wir unsere Elterngeld-Monate bereits im ersten Babyjahr verpulvert und griffen für diese Reise auf unser Erspartes zurück. Auch das kostete mich Mut: Würde sich das lohnen? 

Und dann komm noch ein dritter Faktor hinzu, der meinen Entdeckergeist vor Abfahrt ins Wanken brachte: Meine Schwangerschaft in zweite Runde war bis dato wirklich kein Zuckerschlecken. Mein Körper fuhr wochenlang auf null Prozent runter. Auch noch nach dem ersten Trimester fehlte mir die Kraft für Alltägliches – von Reiseplänen schmieden ganz zu schweigen. 

Es gab also keine Vorbereitungen für diesen Trip, was wiederum die Unsicherheit in meinem Herzen nur noch mehr bestärkte. Da war sie wieder, diese Frage: Würde sich das wirklich lohnen?

Eine Schwangerschaft, die alles auf den Kopf stellt

Die Entscheidung loszufahren, kostete mich entsprechend ungewohnt viel Mut. Meine Selbstschutz-Tante im Kopf empfahl mir, lieber nicht zu viel zu erwarten. Klar, Vorstellungen hatte ich trotzdem im Kopf.
Ich malte mir zum Beispiel aus, wie ich die langen Sommerabende damit verbringen würde, vor dem Van zu sitzen, um im Schein der Lichterkette auf das Meer zu blicken und an meinem Wein zu nippen. Ich träumte auch davon, in den albanischen Alpen zu wandern und einsame Strände in Montenegro zu entdecken. 

In Realität passierte nichts davon: Die Lichterkette wurde kein einziges Mal aufgehängt. Nach Sonnenuntergang fiel ich jedes Mal gemeinsam mit Klein P erschöpft ins Bett. Mein schwacher Kreislauf, der Schwindel und die Übelkeit machten eine Wanderung durch die Berge Albaniens unmöglich. Und mein hormongesteuerter Körper hatte keine Lust auf einsame Orte im Hinterland von Montenegro, sondern sehnte sich nach Sicherheit und Komfort. Von all dem mal abgesehen, erlebten wir einen katastrophalen Start in dieses Vanlife-Kapitel, von dem ich bereits im letzten Artikel erzählt habe.

Hatte es sich also nicht gelohnt, so viel Zeit, Geld und Kraft aufzubringen, um als kleine Familie im Van durch Südosteuropa zu reisen? 

Ich wollte das Abenteuer. Ich bekam es. 

Freunde, so leicht ist das Leben nicht! Nur weil etwas nicht Deinem Kopfkino entspricht, heißt es nicht, dass Du im falschen Film sitzt. Dieser Film war genau das, was ich wollte. Ich war mir der Risiken und auch der Unsicherheiten im Vorfeld bewusst. Ich entschied mich trotzdem dafür.

Denn ich wollte raus aus dem Alltag, bei dem um punkt vierzehn Uhr der Rollladen im Kinderzimmer für den Mittagsschlaf runterfährt. 

Ich wollte wieder neu überdenken, was wir brauchen und meinen Blick wieder auf das richten, was wirklich wichtig ist. Ich wollte wieder echte Familienzeit und keine strukturierte Wohlfühlblase. Ich wollte uns aus der Komfortzone locken, unsere Flexibilität ausreizen und mich von neuen Umfeldern inspirieren lassen. 

Ich wollte das Abenteuer, ansonsten hätte ich nicht Knut und Südosteuropa für diese Elternzeit ausgewählt. Sonst wäre ich in ein Resort mit geregelten Essenszeiten und Kinderprogramm geflogen. Ich wollte eine weitere Runde Vanlife, trotz Schwangerschaft und Kleinkind-trouble.

Weißt Du was das wirkliche Abenteuer dieser Elternzeitreise war? Es bestand darin, die Bedürfnisse von vier Menschen auf acht Quadratmetern so zu vereinen, dass am Ende eine schöne Familienzeit in Erinnerung bleibt.
Dieses Abenteuer haben wir mit Bravour gemeistert! Denn schöne Erinnerungen durften wir haufenweise sammeln und in leeren Olivengläsern mit nach Hause bringen. 

Gänsehautmomente, die ich in Olivengläsern kultiviere 

Die Olivenglas-Momente dieser Balkanreise haben nichts mit Sehenswürdigkeiten und perfekten Sonnenuntergängen zu tun. Es sind Erinnerungen, bei denen wir als Familie zusammengewachsen sind und unser Miteinander prägen:
Zum Beispiel, als Klein P das erste Mal am Strand mit Schaufel und Eimer gespielt hat oder wir bei einer Date Night Muscheln gegessen haben und uns in Ruhe über die neue Etappe mit einem neuen Baby austauschen konnten. Ich werde mich auch immer daran erinnern, wie Klein P es geschafft hat, mir die Angst vor Straßenhunden zu nehmen und dass wir wochenlang jede Nacht das Meer als Garten vor der Vantür haben durften – aufgehängte Lichterkette hin oder her. 

Manchmal schaue ich in das Olivenglas und denke: Wow, das sind die ersten Erinnerungen an unser Familienleben zu viert, wie cool ist das bitte?

Die bedeutendste Erinnerung aber ist die, dass wir unsere neuen (körperlichen) Grenzen als Familie nicht als Bremse, sondern als Wegweiser definierten.

Besondere Momente im Leben kosten Dich etwas

So kam es, dass wir überraschend schnell die Abenteuer-Länder durchkreuzten und uns schließlich auf den Campingplätzen in Kroatien wiederfanden. Obwohl wir absolut keine Campingplatzgänger sind, haben wir es in dieser Situation neben den deutschen Dauercampern geliebt! Die Sicherheit, Vertrautheit und Einfachheit tat uns allen so gut.

Das war die unspektakulärste und gleichzeitig beste Entscheidung. Wir durften auf diese Weise erleben, dass die wahre Freiheit im Vanlife darin besteht, ehrlich zu uns zu sein – auch wenn das eine Routenänderung beinhaltet.

Hat sich der Trip nun gelohnt oder nicht? Wie könnte ich mit solchen Erinnerungen und Erkenntnissen im Herzen sagen, dass es sich nicht gelohnt hat?! Klar, hat es sich gelohnt.

Diese Reise zeigt wunderbar, dass wir für die wirklich bedeutenden Momente im Leben Geld, Zeit und Kraft in die Hand nehmen müssen

🌻PS. Ich wollte Dir mal DANKE sagen. Danke, dass Du so viel Zeit in meiner Gedankenwelt verbringst. Ich freue mich so sehr darüber. Danke!

Ein Kommentar zu „Elternzeitreise 2.0 durch den Balkan mit Kleinkind und Babybauch

  1. Dein Beitrag zeigt für mich eine sehr schöne Einstellung zu Familie. Man wird sich irgendwann bewusst, dass nicht immer alles nach dem Kopf der Eltern geht. Wie auch, wenn ein oder zwei Köpfe mehr dabei sind. Der Satz mit den Grenzen und dem Wegweiser bringt das wundervoll auf den Punkt: So ist es gut.

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