Den Sommer nicht verpassen: Hoffnungsgedanken zwischen Hitze und Dürre

Dieses Jahr ist es schwer, den Sommer unbefangen zu genießen. Die Hitze und Trockenheit, die Brände und Ernteverluste nagen nicht nur an der Natur, sondern auch an unserem Sicherheitsgefühl. An Gartenzäunen und in Kommentarspalten höre und lese ich Sätze wie: „Deutschland fährt alles gegen die Wand.“ Ich spüre etwas viel zu Trockenes zwischen uns, höre lechzen und schnaufen. Ich teile diese Meinung und auch die Stimmung nicht, und dennoch schnaufe auch ich unter der drückenden, schwülen Luft, die sich über vieles gelegt hat. Vor allem aber schnaufe ich, weil das Ächzen ausgerechnet in den Sommer gefallen ist.

Dabei war der Sommer doch immer da, um uns mit Leichtigkeit und Gelassenheit volllaufen zu lassen? Eine wichtige Pause, vor der Dunkelheit. In diesem Jahr fühlt es sich so an, als würden wir uns selbst diese Pause nehmen.

Die Hoffnung ist, eine Wahl zu haben

Eines meiner letzten Bücher, das ich gelesen habe, war 491 Tage in den Tunnel der Hamas von Eli Sharabi. Sharabi wurde beim Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt, überlebte als Geisel im Gazastreifen und wurde im Februar 2025 im Rahmen eines Geiselaustauschs freigelassen. Das Buch sollte Pflichtlektüre werden! Es hat mich auf so vielen Ebenen bewegt und herausgefordert. Trotzdem habe ich es nicht zu Ende gelesen. Kurz vor seiner Freilassung schlug ich das Buch zu. Ich wusste, welche schreckliche Nachricht ihm nach der Freilassung erwarten würde. Ich wollte das nicht lesen. Ich wollte lieber an der Hoffnung festhalten, dass am Ende alles gut wird. Also hörte ich einfach auf und beschloss mir die Hoffnung im Raum zu behalten, in dem sie unversehrt bleiben durfte.

Ein Gedanke von Eli hat mich besonders gekickt. Er teilt an einer Stelle: (…) ich habe die ganzen 491 Tage in Geiselhaft daran geglaubt, dass ich die Wahl habe, wie ich auf die schrecklichen Dinge reagiere, die mir widerfahren sind und woran ich mich festhalten kann: mein Glaube, meine Familie. Und ich hatte die Wahl, ein menschliches Wesen zu bleiben. Das war mir am wichtigsten.“
In anderen Worten: Ihm wurde zwar jede äußere Kontrolle genommen, nicht aber die Entscheidung, woran er sich innerlich festhält und welcher Mensch er sein möchte. Die Hoffnung ist, eine Wahl zu haben. PUUUUH!

Ein Sommer gegen die Hoffnungslosigkeit

Ich habe nicht die Wahl, wie heiß der Sommer wird. Ich entscheide nicht über Ernteausfälle, Waldbrände oder politische Schlagzeilen. Aber ich habe eine Wahl, woran ich meine Aufmerksamkeit binde. Woran halte ich mich fest, wenn die lauten Stimmen mir erklären, dass wir den Laden gegen die Wand gefahren haben, dass es nichts mehr zu hoffen gibt, sondern nur noch Grund zum Ärgern bleibt?

Ich halte mich am Sommer fest.

An der Seite des Sommers, die trotz Hitze und Trockenheit genauso real ist. An dem Sommer, der gerade jetzt vor unseren Haustüren stattfindet: die warmen, langen Abende. Das Zirpen der Grillen. Barfuß über die Wiese laufen. Gartenfeste. Eis und Aperol. Birkenstocks 24/7. All das geschieht gerade. Es ist nicht weniger wahr als die Nachrichten. Nicht weniger wirklich als die Sorgen. Es gehört genauso zur Wirklichkeit.

Ich brauche die Schönheit des Sommers. Und in diesem Jahr wird mir klar: Ich brauche es vor allem, die Schönheit des Sommers wahrzunehmen. Trotz allem und in allem. Wenn ich jetzt nicht innehalte, mich von Licht und Leichtigkeit durchwärmen lasse, dann werde ich dem Winter mit leeren Händen begegnen.
Gar kein Bock darauf. Du etwa?

Hoffnungsmomente für den Sommer

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