Wie mich das Leben im Van zum Minimalismus brachte

Ich weiß noch genau, wie es war, nach zwei Monaten Reisen im Van das erste Mal in unserer Wohnung zu stehen. Ungläubig habe ich mich umgeschaut und gefragt, warum wir so viel Platz haben. Dabei dachte ich bis dato, unsere Wohnung sei zu klein für ein Leben mit Kind. Doch nachdem ich wochenlang wunschlos glücklich auf 11 Quadratmetern gewohnt hatte, konnte ich diesen Gedanken nicht mehr nachvollziehen. 


Sehnsucht nach Einfachheit

Eigentlich liebe ich unsere Wohnung und die Art, wie sie mit Leben gefüllt ist. Ich mag, dass wir auf zwei Ebenen wohnen. Ich liebe es, dass unser Bett unter dem Dachfenster steht. Dort kann ich nachts vom Bett aus den Sternenhimmel sehen und dem Regen lauschen. Außerdem bin ich total begeistert von dem großen Esszimmertisch, an dem ich so gern mit Gästen sitze. 

Doch dann kam Knut, unser Campervan.
Der Kastenwagen, der ordentlich Lack verliert und beim Fahren quietscht. Dieser alte Herr hat die schicke Maisonette Wohnung vom ersten Platz meiner Wohlfühlorte verdrängt. Denn zu dem Schock über die Größe unserer Wohnräume gesellte sich auch bald nach unserer Reiserückkehr ein Unwohlsein. Irgendwie fiel es mir schwer, hier wieder anzukommen. Ich wusste nur nicht, warum. Mir fehlte die Schublade, in die ich dieses Problemchen hätte einsortieren können. Bis ich in der Stadtbibliothek bei der Regalreihe Wohnen hängen blieb und mir das Buch „Einfach Familie leben. Der Minimalismus-Guide: Wohnen, Kleidung, Lifestyle, Achtsamkeit“  in die Hände fiel. 

Minimalistischer Lebensstil im Van

Das Buch öffnete mir die Augen dafür, was für mich wirklich das besondere an Knut ist. Ich erkannte, dass die Reiserei, das freie und flexible Unterwegssein, nur ein Teil davon ist. Was mich in den vergangenen Monaten Vollzeit Vanlife noch viel mehr fasziniert hat, war die Erfahrung, ein einfaches Leben führen zu können. Ein Leben mit wenig Überfluss und viel Wesentlichem. Was ich damit meine? Im Knut gibt es wenig, aber alles, was ich brauche.

Hier hat alles seinen festen Platz. Während des Camper-Ausbaus habe ich genau überlegt, was ich benötige und wo ich es nutze. Zum Beispiel habe ich die Anzahl der Töpfe und Pfannen festgelegt, um passgenaue Schubladen unterhalb des Gasherdes dafür zu bauen. Knut ist ein Ort, der von Übersichtlichkeit und Klarheit geprägt ist. Hier finde ich nichts zu viel oder überflüssig.


Anders ist es in unserer Wohnung. Dabei bin ich kein Mensch, der gern Zeug anhäuft. Ich sortiere schon immer regelmäßig aus und liebe es, wenn die Räume clean und sortiert aussehen. Trotzdem gibt es auch bei mir Dinge, die weder schön sind noch einen Nutzen haben. Die Erkenntnis, wie viel Zeit ich mit diesen Sachen verbringen, um sie zu pflegen und funktionsfähig zu halten, hat mich frustriert und mir all die Freiheitsgefühle der Elternzeitreise genommen.

Minimalismus, der über den Schrankinhalt hinaus geht

Ich kann es drehen und wenden wie ich möchte, am Ende komm ich doch immer wieder zu diesem einem Wort zurück: Minimalismus. Bisher dachte ich immer, Minimalismus hat etwas mit kahlen Wänden oder leeren Räumen zu tun. Dabei bedeutet es so viel mehr! Es geht nicht bloß darum, wenig zu besitzen. 

Minimalismus heißt, mich mit dem zu umgeben, was ich liebe und eine klare Funktion hat. Es bedeutet, fokussiert zu leben.

Und das betrifft nicht nur meine Wohnräume, sondern auch alle anderen Bereiche des Alltags wie zum Beispiel die Kindererziehung, Ernährung oder Pflege von Kontakten. Ich spüre seit unserer Rückkehr, wie mich das „zu viel“ an Dingen, Aufgaben, Beziehungen oder Onlinezeit davon abhält, im hier bei mir und meiner kleinen Familie anzukommen. Ich sehne mich nach mehr Klarheit und Leichtigkeit … auch wenn ich nicht im Van unterwegs bin.

Ich möchte das Freiheitsgefühl vom Leben im Knut auch an meinem festen Wohnsitz erleben.

Die vergangenen Wochen waren deshalb davon geprägt, mich Stück für Stück von dem „zu viel“ zu befreien. Das Aussortieren von alten Tassen war dabei nur der Anfang von vielen weiteren wichtigen Schritten. Ganz bald werde ich Dir mehr davon berichten.

📚 Das Buch „Einfach Familie leben“ kann ich übrigens (unbeauftragt + unbezahlt) von Herzen weiterempfehlen, wenn Dich das Thema interessiert. Es gibt außerdem noch eine ähnliche Lektüre, die sich lohnt: „Einfach leben. Der Guide für einen minimalistischen Lebensstil“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s